//Der Moment, in dem mein Tee kalt wurde.


Gedankenfunken stoben an des Tages Morgen an mir herab und pulsierten freundlich wankelnd zu meinen Schuhen. Ganz sachte und beim Laufen, der rechte Fuß schon in der Luft, löste sich das Senkelwerk der tragenden Sohlen und kündigte für den nächsten Augenblick das Spektakel der Auflösung eines Zustandes an, der nun doch einige Stunden angehalten hatte. Um Neues zu schaffen muss etwas Altes den Tod finden. Nur so entsteht Wandel, Lebendigkeit, Dynamik. Lebendigkeit durch Tod, ein Kuriosum. Nichts desto trotz gab es diese Kausalität hier nun. Hier und jetzt. Nicht früher und auch nicht später, so sehr es der Schuh auch gewollt hätte. Es war nicht mal ein Augenzwinkern, in dem sich die Auflösung des Alten und Bestehenden entzweite und allem eine neue Bedeutung verlieh. Das Gebundene wurde zum Entwirrten. Neue Wege eröffneten sich sodurch. Ein Hauch der Natur, ein erstrebenswertes Ganzes, das seine mannigfaltige Raffinesse anwandte um eine alte Welt zu zerstören und eine ganz neue zu schaffen.

Ein Moment, in dem so viel Schönes gleichzeitig geschah und, in den Augen nur eines Betrachters, gänzlich unmöglich ist zu begreifen. Wie die zu sehr ignorierte Wahrnehmung des Erreichens einer perfekten Ziehzeit von Tee. Den Teebeutel im exakt richtigen Moment aus dem Wasser zu lösen, in dem Temperatur und Intensität vollkommen sind. Tänzelnder Dampf, der vorsichtig lauschend über der Tasse umherwirbelt und seiner Pirouettenkunst freien Lauf lässt. Der sein Bouquet gefühlvoll in die Nase treibt und ihr schmeichelt. Sicher ereignet sich diese Schönheit auch davor und danach, aber nicht nahezu so vollkommen wie in genau diesem Augenblick. Einen Wimpernschlag später und etwas völlig anderes wäre die Folge.

So auch ein Tor, das ins Schloss fiel und dabei die gefrorenen Perlen der Nacht von sich abschüttelte. Fast geräuschlos hüpften sie noch einmal am Boden umher, spielten ein erquickend flinkes Theaterstück, bevor sie stillschweigend liegen blieben und nur darauf warteten, dass ihre bestehende Welt bald schon wieder eingerissen wird. Jeden Moment war es soweit.

Flüchtiges Dasein und schon ist auch