// Im allabendlichen Überfluss des Sommers.
- vor 22 Minuten
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24 Grad um 22h30.
Le plumage de la nuit macht farblich alles richtig, zerfließt im hell-feierlichen Dunkel Richtung Finsternis und taut die Nacht langsam auf. Unter mir zwei Räder, die meinen neptunesichen Körper zwei Kilometer lang durch Prenzlberg und Wedding nach Hause radeln. Blaue Kopfhörer auf den Ohren, aus denen Leon Bridges’ Coming Home, seidig wie Honig, heraus tröpfelt.
Schweigsam streicht die Luft am Gesicht vorbei, umklammert die herumwedelnden Haare und zerfällt dann schnell wieder in schüchterne Strauchelschnecken der Lüfte.
Im Lichtflimmer des Vorderscheins verglühen die heiteren kleinen Sandkrümel — heraufgewirbelt durchs Vorderrad — im düsteren Nachtgewand.
Musikalisch changiert das Kolorit im Ohr derweil zu Dreams von Fleetwood Mac. Gedankenschlangen winden sich um alles, was an einer tristen Vergangenheit hängt und würgen ihr die Präsenz des Abends heraus. Bewölkte Bauten aus Heiterkeit und Glanzlichtern rennen vor mir her und drücken mir immer wieder das Gemüt, resetten alles, was zuvor noch am fleischgewordenen Hungertuch der Trauer genagt hat. Diebische Raben verzweifeln am eigenen Schlummer, lassen die Köpfe zum Himmel fallen und lassen den Freudentaumel ohne Widerworte passieren — geschminkte Bitterkeit im Heiterkeitsmantel. Die Brisen der Nacht kündigen sich vorzeitig an, bewerkstelligen es den Hals-Über-Kopf-Belanglosigkeiten einen Strick zu drehen, um sie morgens träge zu Boden sinken zu lassen.
Fleetwoord Mac, Stevie Nicks, bügelt den Weg vor mir her, löst Falten, ebnet Knicke und pftpft sich durch das Gewölbe des Nachttextils.
Ich lege den Kopf zur Seite, fange die Wucht des Humboldthains neben mir ein und erlebe jeden seiner Atemzüge als 4/4-Takt, der sich räuspert, sobald ich der Unaufmerksamkeit zu viel Bedeutung schenke.
Ein Lied weiter sieht die Welt beinahe schon wieder samtiger aus, fast schon wieder erhabener, fast schon wieder scherbenfreier.
Ich biege rechts ab, schaue nochmal mit festem Tritt nach oben und verschwimme im allabendlichen Überfluss des Sommers.













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