// Ein Liebesgedicht.
- vor 22 Stunden
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Wenn ein verlassener Hinterhof dich inzwischen beim Namen kennt, dann hat entweder der Hinterhof zu wenige Begegnungen oder du hast irgendwas zu verbergen.
Du schließt das Tor auf. Kniezen, Knuzen, Knarren. Alles daran beschreibt die letzten Stunden der Welt, wäre sie aus Metall und Quietsch.
Du trittst also ein, hindurch und die Stimmung wird gleichwohl staubiger, düsterer, echt. Vögel irren hier nur als Kadaver in irgendwelchen Regenrinnen umher und jagen dem bröckelnden Wind hinterher.
Deine Schuhe schieben krachend die Kieselsteine unter sich nach vorn. Deine Mütze rückst du tiefer ins Gesicht und hörst langsam auf, an dein Leben zu denken. Ganz oben hat Glas den Himmel ausgesperrt und vernetzt hier drin alles mit stimmiger Endzeit-Atmosphäre.
Das Tor hinter dir fällt ins sogenannte Schloss und dir fällt plötzlich das kleine Kind ein, das vorhin noch den Ball zu dir rübergekickt hat. Der lag dann in der Pfütze, die Leben und Tod gleichermaßen war. Schlammiges Spiegeln und du selbst hast dich darin kurz verloren.
Es gab nicht viele solcher Momente in deinem Leben. Drei, vier. Zählt man das eine Mal mit, als du dem einen das Herz gebrochen hast und er sich zwei Tage später ne Kugel zwischen die Augen schoss. Passiert, da musst du jetzt eben durch.
Wenn du jetzt nach vorn schaust, liegen da ausgefranste Fenster und Mauern vor dir, deren Erhabenheit Äonen zurückliegen muss. Raue Fabrikoptik, die dem ganzen ein heilendes Ave Maria abringen will. Da kommt aber nix mehr. Hier hängen Trauer, Blut und Verlogenheit in der Luft. Und weil du das alles weißt, gibt's noch n paar weitere Schritte auf das Loch im Boden zu. Der Wind springt an dir vorbei, gefolgt von den Kadavern. Das Hemd kratzt und wie immer war die Dusche auch nich anzukriegen, heute früh. Ungeduscht ins Elend. Da füllen Leute ganze Bücher, mit so nem Titel. Du füllst garnichts. Was du tust: Hoffen, gieren, weiterlaufen. Das Loch dröhnt, schreit dich an. Kaum ein Tag is bisher vergangen, an dem du nicht an diese Dunkelheit denken musstest. Immer wieder. Immer nachts. Immer morgens. Immer.
Da kam niemand, der irgendwas ausknipste. Kein Off-Switch, kein “später wirst du drüber lachen”. Das Später ist jetzt und zum Lachen geht dein Humor inzwischen in deinen inneren Beichtstuhl. Da sitzt sich’s halt besser.
Noch n kleiner Schritt. Oben kracht, mit dumpfem Klangmemory, der Regen aufs Glasdach. Wirft dir deine Unerträglichkeit ins Gemüt und erdenkt des Hofes Akustik-Kleid. Rein in seinem Verfall und edel, wenn die Kakophonie im Kopf dann irgendwann stoppt. Dazu musst du aber weiterlaufen. Das Loch wartet doch.
Noch 3 Schritte. Noch 2.
Alles um dich herum ergibt sich dieser Überdachung aus Glas — Zerbrechlichkeit.
Keine Begierde mehr, keine Last, keine Liebe, kein Beben im Herzen.
Einfach nur das Zerklüftende des Schmerzes.
Noch 1 Schritt.
Abendgesang und Wiedergeburt. Alles vereint in diesem, nun, letzten Schritt. Dann wird alles gut, dann bist du daheim. Dann gibt es nur noch
uns.













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