Aus dem Blog eines Tunichtguts

// Three guys and the red table.

“Cigarettes after Sex” klingt es vom roten Nebentisch herüber. Zufällig sind es so ziemlich die einzigen Worte, die mir geläufig sind, die meine Wahrnehmung soweit übersetzt, dass ich damit was anfangen kann. Zudem sind sie, gefühlt, einige der wenigen polnischen Worte, die nicht mindestens drei Konsonanten hintereinander enthalten. Hui, ein Glück an diesem donnerstäglichen Sonnentag. Jüdisch zu sein haftet man dem Viertel, unterhalb der Stare Miasto, hier besonders an. Ich sehe Bagels, Synagogen und asiatische Restaurants. Soweit so gut. Das Buchlädelchen in der Ulca Krakowiska liegt schüchtern murmelnd im ersten Stock eines Hauses mit Fenstern. Kawiarnia Literacka flüstern mir die Lette

// הדים.

Still schweigend, schreitend über quietschenden Untergrund. Ein Schimmer, der Gold und Braun zelebriert, ihm entgegenschwebt und ihm Ruhe einhaucht. Bänke, die zum Niederknien einladen und eine Front, die zum Aufsehen aufruft. Gewaltige Orgelpfeifen hinter mir schweigen, aber verbreiten eine Imposanz, die mich gebannt auf den höchsten Ton warten lässt. Mehr Quietschen, mehr Gold. Durch das Echo der Ruhe vernehme ich die Stille noch deutlicher und inhaliere sie. Sie legt mich in ein betörendes Ambiente, bettet mich in archaische Ehrfurcht. Ich atme die kalte Luft ein und stoße sie warm wieder aus. Schwarz und Weiß. Entstehung und Vergänglichkeit. Leben und Tod. Finden und Verlieren. Das

// Fragmente (2008-2018) – Teil Drei.

Acht „Hey. Wie wär’s wenn wir eine Hommage an DIE HARD machen. In der ersten Szene setzen wir den Protagonisten in einem Viertel aus, wo es nur Eisdielen gibt. Das einzige was er trägt ist ein Pappschild mit I hate Nogger drauf!“ Neun Ein Einwohner Lakoniens brüllte mir damals treffend entgegen: “Du verhältst dich wie ich, und so n Verhalten kotzt mich an! Zehn Gestern im mexikanischen Viertel bei einem Vietnamesen: Mir ist Genitalpflege genauso wichtig wie Zahnpflege. Deshalb nehme ich jeden Tag vorm Schlafengehen die neuen Genitalpflegekaugummis. Die Nebenwirkungen erfragen sie bitte beim Zoohändler ihres Vertrauens. Elf Letzten Endes war es ja nur eine Frage der Zeit, ob sich im tropische

// Die öffentliche (Morgen-)Toilette.

Unerwartete Reinlichkeit erwartet mich. Unbedenkliche Stille, die meine Dringlichkeit abfedert. Der Mann im Häuschen erstmal unerkannt kommt letztendlich zur Geltung. Er verweilt im Hintergrund, begegnet mir mit gleicher Ruhe, wie der Ort selbst. Viel Grau und etwas Weiß runden alles ab. Die Leichtigkeit des Danachs, welche die Schwere des Davors ablöst. Unbeschwert steige ich wieder hinauf zum Tumult, zum Tag. Zum jetzt verspielteren Schlendern unter murmelnden Sonnenstrahlen. Ich sammle sie ein und tapse freudig weiter. Bild: stormybrain

// Das Sadistlein. // In Mir.

Es reckt sich mit tiefstem Genuss. Es streckt sich mit Ehrfurcht gebietender Finte. Es schwadroniert mit dunkler Seele, einem Leib, so verkommen, dass eine terrorzerfressene Fratze nicht von Nöten ist. Der Widersacher in mir starrt gebannt von innen auf mich, will mir den Sieg abschwatzen, mir die Schadenfreude entlocken und sich auf der Kosten anderer ein zermürbendes Gefühl geben lassen. Kühler Frust verlässt des Peinigers Körper und verschlingt die umliegenden Errungenschaften meiner. So hitzig wird diskutiert und am Ende gewinnt doch er. Sein Gram verfinstert das Gemüt und spielt in mir wie ein Puppenmeister. Die Marionette gehorcht und tanzt nach seiner Melodie. Räkelt sich qualvoll

// Die Enten.

Daheim in der Heimat. Ich finde mich auf den leeren Straßen wieder. Sie wirken sehr vertraut und doch entdecke ich sie wieder neu. Früher waren sie voll mit Leben, jetzt wirken sie trist und verloren. Wieso mache ich sie dazu? Vergleiche ich sie zu sehr mit der Straßenkakophonie Berlins? Ich entwickle eine Ambivalenz. Obwohl ich die Ruhe liebe, wirkt ihre Tristesse unwirsch auf mich. Alles um mich herum scheint kleiner und macht mich zu einem Riesen. Die Wippe auf dem Spielplatz schweigt, wippt jedoch noch im Kopf weiter und trällert ihr ulkiges Ständchen. Das Bächlein fließt mit einem anderen Takt, aber dem gleichen Rhythmus. Kleine Entchen schwimmen darauf. Erst eine vorn, dann die Andere

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Der Frühling kam. Ich wollte in die Welt hinaus und mir mein eigen Brot erwerben. Jetzt ist es dann doch nur ein brotloser Blog geworden.

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