// Die Dame unterm Baum.


Inzwischen war es 17h00. Noch mindestens eine Stunde, bis wir an der Herberge angelangt sein sollten. Am Wegesrand bemerken wir diese Dame. Sie sitzt, ist müde vom vielen Gehen. Ihr Stock ruht, nebst ihr, auf dem hölzerne Bänklein. Sie atmet die milde Brise ein und blickt zu uns herüber. Wir bewegen uns freudeatmend auf sie zu. Blätter überdachen sie mit verhangenen Sonnenstrahlen und sich darin verflochtener Melancholie. Sie wünscht uns einen buen camino und steckt auch schon mitten in ihren Ausführungen, ihr Leben betreffend. Erzählungen sprudeln aus ihr heraus und erfüllen die Luft mit spanischer postura de vida, dicken sie ein und wirbeln sachte alles umher, bis sich die Masse den Ohren nähert und sie mit gewaltiger Macht überfluten.

Es ist nun drei Monate her, seit ich mich bei dir gemeldet hab. Unfassbar. Ich schäme mich. Schäme mich, dass ich dich nicht habe teilhaben lassen können. Die Arbeit ging in Arbeit über, was in viel Arbeit resultierte. Stunden über Stunden, Überstunden über Stunden. Unbezahlt. Musste irgendwie abschalten und mich den Zerfragungen unterwerfen. Der Strudel hat mich letztendlich allabendlich verschlungen, mich zu Bette kriechen lassen und mich in einer Vorwurfslithografie in den Schlaf gedrückt.

Disconnect from the world and connect with me.

Anfang Juni wirkte noch alles beschaulich. Arbeiter kamen und entlastete mich bei diesem und jenem. Wir konnten knappe Verbindungen zueinander aufbauen, deren Signalstärke aber über ein krisseliges Konversationsgerüst nicht herauskam und nach einigen Wochen auch wieder disconnected war. Abends besuchten wir manchmal eine Bar. Tranken, redeten, schäkerten. Redselig schunkelten wir dann auch wieder nach Hause. Im Regen. Hier regnet es eigentlich durchgehend. Und wenn davon mal Pause ist, herrscht der Nebel mit so fester Hand, dass uns die Sicht weiterhin verwehrt bleibt und der Nebeldurft sein Regiment aus Nieselfäden, Klammheimlichkeiten und Vaporationen auf die ganze Stadt losschickte.