// Fragmente (2008-2018) – Teil Vier.


Zwölf

Die Erektion machte sich in mir breit, wie eine schnell wirkende Koffein-Injektion. Nur blöd, dass ich gerade im Auto saß und auf einer leeren Straße fuhr. Einen reizvollen Gedanken im Kopf und einen harten Penis in der Hose. Am vordersten Ende der Straße lauerte leise eine Ausfahrt, endlich. Ein leuchtendes Schild verhieß Benzin, Fast Food und WC. Burger und Kacken? Die Koffein-Injektion ließ jäh nach und ich fokussierte mich wieder mehr auf die vor sich hinfließende Straße. Blinker rechts, Lenkrad sachte einschlagen, Schulterblick. Die Fahrschule war schon ein wenig her, dennoch waren die dort gelernten Facetten immer noch im Neo Cortex eingespeichert. Ich fuhr rechts ran und sah durch die ungeputzten Scheiben das demotivierte Mistvölkchen von Tankstellenwarten, die sich nachts um 3.00 Uhr komplett aus ihrer Arbeit heraushielten. Ich ging hinein und wollte zahlen. Magazin lesend blickte er kurz auf, blieb aber erst mal sitzen. Dann seufzte er, legte die Bravo sorgsam auf den hellblauen Langnese-Mülleimer, die jedoch abrutschte und zu Boden fiel. Genervt gab er mir einen beschuldigenden Blick, beugte sich hinab und legte sie vor mich auf die Theke. „Ja?“, fragte er mich fordern. Den innerlichen Zahnstocher schon in sein Auge pikend, warf ich ihm die 20€ auf seine Bravo, drehte mich um und flötete kurz vor der Automatik-Türe noch ein „Bravo lesen doch nur Muschis“ gänzlich unhörbar zu ihm rüber. Wieder im Auto legte ich den Gurt an, setzte den Blinker und schaute über die Schulter. Der Tankwart steckte schon wieder in seiner Bravo. Ich fuhr los. Die Erektion war zurück.

Dreizehn

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