// Maximaleuphorie im silber-sexy Höschen.
- Michael Schuster
- vor 1 Tag
- 3 Min. Lesezeit

Die Scherben der Woche haben ihre Schärfe verloren — und liegen jetzt wie Konfetti auf dem Freitagabend. Erster des Monats. Wer ein wenig Bescheid weiß, weiß dass die Fourplay Party im KitKat ihre Pfötchen nach einem reckt und den aschigen Gram der letzten vier Tage von dir herunterlecken wird.
19h00. Vorbereitung darauf heißt, dass der Alkohol in süßem Kram verpackt wird und der süße Kram seinen Weg ins Zigarettenpapier findet. It's Friday again, then Saturday, Sunday.. What?
Soundcloud spuckt dabei ein Set von Maurice Mino (Frühsauna II) aus und flimmert im Zimmer auf Maximaleuphorie.
Die Zünglein in mir lechzen nach basaler Befriending. Ich zieh S-Klamöttchen von der Kleiderstangen runter, drapier sie um meinen M/L-Körper und bedecke dabei so wenig wie möglich. Was gezeigt wird, hat System. Alles andere bleibt mysteriös verborgen hinter neon-gelbem Warnwestenstoff und silbrig-sexy Höschen (one needs to have secrets, it seems to be the one thing that can make modern life mysterious or marvelous to us, was sicher von Oscar Wilde stammt.. Google sagt Ja. Und zudem meinte er: The final secret is oneself. Genau deshalb kam der Mann zu Weltruhm und ich geh Freitagabend ins Kitty. Choices.).
Die bunten Fummelfedern, die später in die Haare kommen, liegen gerade noch neben dem frisch gezapften Vodka-Apfelsaftschorle. Daran erkennt man die wahren Partypeople. Glitzer sprühen ich gleich noch ins Gesicht und das pink-pinke Hundehalsband gleitet später noch dekorativ um meinen Hals. Maurice Mino pocht weiter in der Box und ich klopfe gegen die Uhr, weil offenbar schon 20h30 is.
Dann mal los.
Mit 2 Kilo Gepäck und mindestens 25 Kilo Vorfreud dünste ich mich nebulös in die S-Bahn, Direction Gesundbrunnen. Da dann: U8. Premium is anders, aber U8 is Berlin, wie Berlin sich im Erasmus-Jahr selbst beschreiben würde. München und Stuttgart würden dabei die Nase rümpfen, weiterhin ihre langweilige Scheiße abziehen und sich irgendwann und unvermeidbar fremdenfeindlich äußern.
Alex, Jannowitz, Heinrich Heine. In den 15 min. haste eigentlich alles gelernt, was es zu lernen gibt. Is quasi n kleiner Jakobsweg, die U8.
Das Weg-Vodka-Apfelsaftschorle, in der dünnhäutigen 1,5-Liter Mehrwegflaschem stell ich ordnungsgemäß auf einen Betonsockel. Brust raus, Glitzer: check und Halleluja.
Ein Haufen junger Damen dreht den Türstehern Flyer an, für die sie bezahlt werden, die Leuten anzudrehen. Eher weniger auf das ausgewiesene Event stehend, aber es dennoch herzlich begrüßen würdend, wenn die Jungs an der Türe dort später auftauchen würden. Sie arbeiten jedoch später, wie auch jetzt, an der Türe und würden trotz immenser Schäkerei lieber nicht dort hingehen.
Sie sehen mich, fragen ob ich wisse, wie’s funktioniere und ob ich n Outfit hätte — habe ich, samt Fummelfedern and everything. Viel Spaß, GL is da, tralalala.
Ich defiliere über den roten Teppich, trete ein und werde direkt von Wärme und Herzlichkeit umfangen.
Die nächsten 12 Stunden passieren so schnell, dass ich mich, gefühlte 5 Minuten später, auch schon wieder in das Grell des frühen Tages hinaus friemel.
Die 25 Kilo Vorfreude sind 30 Kilo Müdigkeit und Erschöpfung gewichen.
Zudem hab ich zwei neue Tattoos an den Schultern und irgendwo am Körper steht, glaub ich, auch noch die Telefonnummer von dieser einen Begegnung am Pool.
Die eternale Nacht gerät in den Zerstäuber des Tages und wirkt auch noch am Montag wie eine fein-perlende Erinnerung an diese Stunden.
U8, Voltastraße, am Humboldthain vorbei.
Um 9h30 daheim. Um 10h30 dann ins Bett.
Alles war zauberhaft, alles war Schwelgen.
Der aschige Gram wurde herunter geleckt und macht jetzt Platz für neue Asche. Ich frage mich aber indes: Hatte ich vor der Party nich noch Boxershorts an?













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