// Baumkronenschüchternheit.



Früher als angebracht sangen die Pirolen, Amseln und Spatzen ihre Melodien von den Walddächern hernieder. Noch reckte und streckte sich keiner im Zelt unten. Der Tau perlte zierlich auf den Blättern und Gräsern an der Lichtung. Die zarten Sonnenstrahlen bemühten sich so ruhig wie möglich in den Wasserperlchen zu baden. Tau, musst du wissen, ist für Strahlen in etwa so, wie ein Riff für Wellen. Durch den sich anhäufenden Tumult, schüttelten sich die Träume ganz flink hin und her, ließen von den beiden Personen im Zelt ab und purzelten unkoordiniert in alle Richtungen. Auf ein Zeichen von Buya, dem Chef der Träume, gab es ein welliges Plopp und die soeben noch purzelnden Wölkchen lösten sich im Nichts auf. Und so geschah es, dass unsere Heldin und ihr guter Freund erwachten. Zunächst noch leise, pirschten sich die Klänge des Waldes an die Beiden heran, bevor die gesamte Flut an Geräuschen auf die einprasselte. „Bist du wach?“, fragte die kleine Sanina. „Ich glaube schon.“, meinte Ajos grübelnd. „Wie weiß ich denn, ob ich wirklich wach bin oder immer noch träume?“ Ajos machte sein Schlafsackblatt auf und wischte sich gähnend übers Gesicht. „Hm.“, machte Sanina. „Ich denke, dass kannst du nie wirklich wissen. Alles kann immer nu ein Traum sein. Oder, du bist nur ein Gedanke eines der Traumwölkchen. Wer weiß.“ „Ich weiß zumindest, dass ich wahnsinnigen Hunger habe!“, bemerkte Ajos und deutete auf seinen offenen Mund. Sanina nickte zustimmend, schob ihrerseits das Schlafblatt zur Seite und kroch aus dem pilzartigen Zelt heraus. Die gebrochenen Strahlen der Sonne linsten nun eindringlich ins Innere hinein und schauten sich neugierig um. „Ja, ihr bekommt ja auch gleich was zu essen“, kicherte Ajos, während drei Lichtflecken sich auf seiner Nase niedergelassen hatten.


Und jetzt ist es Zeit fürs Bett, du Fratz.



Photo Credit: lostandfound.community

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