// Michanismen II – Kurzfristige Zweisamkeit.


Das Pärchen auf der Straße gibt sich Küsschen zur Begrüßung. Links, rechts, links, rechts. Scheint etwas zu überschwänglich und ambitioniert, aber heute dann eben Plaisirchen für Alle. Ein erstes Date lässt sich aus beider Gesichter und Körper ablesen. Eine Komposition aus Unsicherheit, Wagnis, Zuversicht und gestikulativer Raffinesse. Er zeigt in neun Himmelsrichtungen. Sie nach Links. Und beide starten den Abend, indem sie nach Links gehen. Unweigerlich wird mir sowohl mein Essen serviert, als auch eines klar. [Eine wahrhaft gelungene Transition. Jeder der anderer Meinung ist, sollte sich bitte einer anderen Beschäftigung widmen als der des Bloglesens.]

Frauen, die mir die Hand reichen, werden für mich zu Fremden und sexuell uninteressanter. Die Hand muss mir vorenthalten werden, damit sich das Sadistlein in mir wohl fühlt in seiner Qual. Ich brauche grundlose Abwehrhaltungen und Verweigerung der Liebe und der Emotionen, um mich tief in Selbstmittleid, Hinterfragung und Unwohlsein wohl zu fühlen. Bin ein Meister darin geworden, da ich mich oft genug hinten angestellt, mich der lustvollen Abhängigkeit hingegeben habe und von dieser durchtriebenen Huren schamlos enttäuscht wurde. Die zwichtige Zweisamkeit funktioniert nur dann, wenn ich beide Teile der Beziehung abdecken kann. Sie funktioniert dann, wenn ich die Person fürs Handwegziehen bestrafen will aber nicht kann. Beim Reichen der Hand muss ich nicht bestrafen, weshalb ich hier schnell das Interesse verlieren kann und es mir leicht fällt meine emotionale Kälte direkt einzusetzen; ohne viel Reue.

Inflexibilität. Vermag ich es nicht, mich kurzfristig an eine Änderung des Plans zu gewöhnen. Eine unsichtbare Struktur, die geschaffen wurde um mich zu führen, breitet sich aus und bindet mich in diversen Situationen zu sehr an sich. Ein Ausbrechen fühlt sich fremd und erst sehr schwermütig an. Dies geschieht derweil nicht nur in der Einsamkeit oder bei neuen Herausforderungen, sondern wahlweise auch wunderbar mit Frauen. Ziehe ich mich in mein Alleinsein zurück, stört mich ein ungeplantes Herausbrechen aus dieser Struktur. Es fühlt sich zunächst an wie ein Magengrummeln, das erhöhten Herzschlag mit sich bringt. Eine Macht herrscht vor, die mich bannt und nicht gehen lassen will. So auch in meiner nächtlichen Melancholie. Wenn ich mich für das Alleinsein entscheide, dann halten mich die Gedan