// Wenn dem Efeu der Sabber vom Gesicht hängt.



Heute mal so, mal anders. Weniger poetisiert, mehr Prosa und dadurch auch zumeist bodenständiger. Bald ist es vorbei. Irgendwie habe ich mich durch das teutonische Reich gekämpft, habe Katzen getrotzt, Igeln beim Paaren zugeschaut und öfter Lichtschalter betätigt, als dass ich geduscht habe. Klingt zunächst widerlich und unreinlich, aber ihr solltet sehen, wie viele freilaufende Lichtschalter Deutschland zu bieten hat. Noch nie gesehen? Na, dann wird es Zeit unsere Bundesländer danach abzusuchen. Das wird eine neue Art des Pokémon GO. Jede*r Finder*In soll, von OSRAM gesponsert, ein Lebensvorrat an Hochleistung-LED-Birnen erhalten. Die kann man sich dann in seine, frei nach Dietl, "lichtdurchflutete Altbauscheiße" hängen. Aber es geht ums Laufen, ums Riechen und ums Kilometermachen. Ein Wort. Der Zug brachte mich also, nach kurzer Fahrt, in Schnaitheim auf die Ausstiegszone. NichtbetretenwennZugkommt-Zone. Mir fällt das richtige Wort soeben nunmal nicht ein. Alles in allem ein herzlicher Tag. Die Sonne pfeift, die Vögel scheinen und das Windpaket, das im Eilverfahren heute Nacht geschnürt wurde, kam unfrankiert und milde waltend in meinem Gesicht an. Nun so, ab zu Gnaier. Dem Bäcker der Region, der Ostalb, der Schwäbischen Alb. Soweit ich das weiß. Bretzl und noch eine zweite in die Tüte und ab hinaus. Hinaus aus Schnaitheim, hinein in das sanfte Wäldchen, das schmückend zwei Bereiche (Ostalbkreis und Schwäbische Alb) voneinander trennt. Hier liest man die HZ, dort die SchwäPo. Heimelig, ich sag's euch. Wie es da so kribbelt, im Wäldchen, lerne ich weiter mein Gedicht. »Dornröschen« . Sch wird hier als Sch gesprochen. Zudem rekapituliere ich die zarten und hinreißenden Momente der letzten Wochen. Wage den Blick zurück und stolpere dabei in das Vor-Mir-Liegende. Giengen kommt, dann Burgberg. Dort nicht born aber auf jeden Fall raised. Die Krempe am Hut rücke ich mehrmals so, dass mein Logo deutlich zu sehen ist. Ich will ja die Massen abholen und zu Instagram führen. So folge ich, wieder mal, Google. Diese frotzelnde und invertierte Kassandra. Warnt mich nicht, obwohl sie mich in unbesuchbares Terrain leitet. Irgendwo endet Irgendwo endet der Pfad, während das hinter mir, bereits Freigeschlagene, wieder zugewachsen ist. Dem Wichser sein Vater, mal seriously. Ich kneife also die Zehen zusammen und durchpflüge erneut die 2 Hektar Brennnesseln, die mich scherzend in die Flanken kneifen und mir ein fröhliches »Tja, fick dich halt selber« zurufen. Ihr Süßen. Nach fünf Minuten stark befahrener Straße, zweige ich in einen kleine Feldweg ab. Ich habe einen Büschel Brennnesseln an meinen Wanderstab gebunden. Als Abschreckung für andere fiese Pflanzen, die denken, sie könnten sich mit mir anlegen. Ich durchqueren Giengen, winke dem Steiff-Museum auf meiner Rechten zu und verlasse das Örtchen — hier war ich Realschule — unterhalb der Bahngleise, welche mich zu meinem letzten Halt, vor Burgberg, führten. Hermaringen, wo ich nun auch wieder auf L. traf und wir gemeinsam zum 3 Kilometer entfernten, gedeckten Mittagstisch zuckelten. Am Friedhof kamen uns dann schon der Herr Papa samt Hündin, Bella, entgegengehechelt. Wieder waren es 20 Kilometer. Und nun rannten die letzten 35 nur noch tobend und gaukelnd vor mir umher. Aber, erst mal essen und mit dem Hündchen Gassi gehen. Hab schon lange keinen Kot mehr mit Plastikbeuteln aufgehoben. Es wird also Zeit.



Photo Credit: lostandfound.community

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