// Stets zu spät.



Wäre es nicht so typisch, wäre es beinahe tragisch. Sie war eine Kellnerin, in einem Café. Eine dieser Ketten, dort wo man einem Kaffee serviert. Logisch. Es ist also Montag, ein Tag, der seine Maladie nur so mit (Achtung, Oxymoron) elegischer Verve klimpert. Die Kühlung, welche Cream-Cheese-Dingen und Avocado-Granatapfeleien Unterschlupf gewährt, rattert ebenfalls ihre Wehklänge. Julia, so der Name der Kellnerin – vom Beginn unseres Texterzeugnisses – sollte eigentlich seit 30 Minuten da sein. Die Stühle sollten nicht mehr auf den Tischen stehen, die Kaffeemaschine müsste inzwischen gemächlich und schnurrig brummen und die Spotify-Playlist wäre bereits auf „Caféhouse music • musiques francaises • chill morning • Montmartre Mood“ eingemauschelt. Im Café-Kettchen findet sich jedoch nichts davon wieder. Keine frischen Kaffeebohnen, die flink in die Mühle hinabrasseln, nirgendwo riecht es nach Zimt und Kardamom. Der Milchschäumer lässt lust- und dampflos das Köpfchen hängen. Keine Voll- oder Hafermilch wird hier gerade zu einem wolkig-feinen Schaum aufgewertet.

Es ist heute nichts, wie man es sonst, von so einem Montag, gewohnt ist. Das Tempo ist erhöht qua der fehlenden Gemächlichkeit des, sonst so, samtig-betriebsamen Kaffeehauses. Keine Ruby Chocolate Balls werden feilgeboten. Und alles nur, weil keine Julia vor Ort ist. Nun gut, sie ist aber immer zu spät, das ist so sehr Julia, wie warme, buttrige Croissants zu Paris gehören. Man ist es von ihr gewohnt. Typisch. Deshalb wird auch keiner stutzig.

Erst, als sie auch mittags noch nicht da ist.

Bis dahin weiß auch noch keiner, dass sie sich, des nachts, das Leben genommen hat und reglos von der Decke in ihrer Wohnung hängt.


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