// Söhnchen, so mache mir ein wenig Lärm.


Ach was, ach so. Ach sowas.

Weimar, das schreit nach Kultur. Nach Pappeln, Dichtung und Bauhaus. Unschuldiges kleines Städtchen, das der Genieperiode ein Zuhause bieten durfte und sogar einer ganzen Republik zur Konstitution verhalf. Mich durchfährt aufkommende Heiterkeit.

Hammerpianos, Junoräume und die Fabulous Four der deutschen Klassik. So vieles was es hier zu entbergen gibt, so vieles was der Entbergung frei zugänglich gemacht wird und noch wesentlich mehr, was sich ihr verschließt und nur zum Vorschein kommt, wenn man tief in sich blickt und den Geheimnissen zuhört, die der Geist dann aufsaugt. Keineswegs spricht man hier von Verbalität, Visualität oder Dergleichen. Die Vibrationen müssen aufgeschnappt und übersetzt oder gefühlt werden. Tradierte Geschichte und Inspirationen, die hier an Ecken lauern, wabern und sogar jeder noch so kleine Schatten das Kolorit einer Goethe-Dichtung angenommen hat. Häuser und deren stürmische Melodien scheinen aus einem Traum Schillers geflohen zu sein. Nuanciertes Wohlgefallen einer ganzen Epoche drangsalieren hier die Rationalität und schmückt alles mit einer wohldurchdachten Emotio. Fein.

Im barocken Hause Goethes vermag jeder Raum, ja sogar jede Treppenstufe zu verzaubern. Fabuliert mit gekonnter Feder jene Reisen, die seinen Herren durch Italien führten. Exaltierte Kunstobjekte und knarzendes Gebälk, das frech seinen ganz eigenen Schelmenroman erzählt. Myriaden an Kunst und Werken und Studien. Ein Kompendium eines vollkommen ausgereizten Lebens. Jedwede Drehung und Wendung im Städtchen erinnert an diese detailverliebten Beschreibungen eines Adalbert Stifters oder Robert Walsers, ja auch Hermann Hesses. Es vergeht kein Blick, der mich nicht verzückt, der nicht zur puren Verzückung eigens dafür erfunden, ausgearbeitet und angefertigt wurde. Quiddität schmückt jedes Hinterfragen. Blass verlaufen die mürben Gedanken, die dort lungern, und weichen den hellen Fresken, die ans Gemüt gepinselt werden. Selbst nehme ich die Pinselstriche nur vage wahr, aber stehe nunmehr mit einem vollkommen neuen inneren Gemälde da, welches nunigst verstanden werden will und muss. Die Kopfträgheit, gebannt in ein Stillleben Botticellis, mäandert geräuschlos und unbemerkt durch die Windungen.