// Po Ethik.

18.12.2019

 

Allerliebste Grüße an die Leser, die bereits nach der Überschrift das gerümpfte Näschen wieder zurück ins Koks stecken. Seid gesegnet, ihr Unlustwandler.

Gestern war also Mittwoch, genauer kann und will ich euch den Tag nicht beschreiben, weil es ein Tag ist und kein Gemälde mit einem bunten Baum drauf. Da könnte ich jetzt stundenlang ausschweifen, die Äpfel beschreiben, das Blätterdach, wie es sich so verloren, dennoch melodisch dem Rhythmus der Windelei hingibt. Der Typ, den man nicht sieht, der sich hinter dem edlen Stamm gerade vom edlen Stan seinen Ast blasen lässt. So oder ähnlich gehen doch Metaphern, bildliche Vergleiche und diese euphoristischen Anschaulichkeiten. Der Blasende bläst dem Geblasenen beim Blasen eine Blase an die Eichel. Es klingt nach einem Monet. Der hat die Bäume und verschwommenen Gebilde doch vorrangig dahin gemalt, weil er dahinter Fickende, Blasende und (so sagt es der Erfinder in mir) das masturbierende Eichhörnchen Jorge Flambet verstecken wollte. Nüsse, Eicheln, ihr versteht den ganzen Eichhörnchenschwanz, der da dranhängt, nehme ich an. Seid ihr nun weich gekitzelt und das Lese-Lätzchen hat die richtige Temperatur? Dann nochmal frisch in den Kaffee gepisst und auf zum Text.

 

Mittwoch, ihr erinnert euch. Frohsinn trifft unüberlegten Wirrsinn. Die Schattierungen am Himmel sind schwarz. Dunkelschwarz und das, was in der Pantone-Skala eben meine Aussage stützt. Sie frivoliert mir dickstens ins Gesicht und benimmt sich durchgehend wollüstig. Alles treibt und ich werfe mich in die Bewegung der Unstetigkeit.

Es gibt mindestens 67 Geschmäcker von Joghurt und keine kommt auch nur streiflich an das libidoblau einer fragmentierten Kängurumama heran. Schunkeln statt Segregieren und auch gestern war schon wieder etwas passiert, dass heute mindestens zwei Personen bereuen. Gut gut und Heudriohehiho.

Ich zeige also mein Ticket, biep biep, hab eine ausführliche Diskussion mit dem Rucksacktaschenbegutachter über den Inhalt meiner Rucksacktasche samt Flasche. Gebe die Rucksacktasche ab und freue mich doch sehr, mit der Dame an meiner Seite, ins Geschehen und den spaßigen Inhalt des Abends zu Schlittern.

 

Es ist beinahe so wie an diesem Abend, den ich irgendwann mal, damals, erlebt hatte. Die Fuckers des Geburtstags sind lebensfreudig am Saufen, Schmusen und Geschichten erzählen, die sie sicher schon mindestens 45 Personen davor exakt so erzählt haben. Ich mach mir eins dieser Wasser-Reibe-Tattoos auf den Unterarm und fühle mich dementsprechend virtuos. Ein geiler Typ mit einem geilen Unterarm, das schindet Eindruck und lässt die Wanduhr doch nicht schneller laufen. Und auch sonst trinken die Fuckers den Wodka so weiter, als wenn nichts gewesen wäre. Kurz überlegen wir aus einem Iberogast-Fläschchen einen Wodka-Ibero zu mixen und das Ganze mit dem frivolen Jägiccino (Jägermeister-Shot mit dem Schaum eines Weizens oben drauf) runterzuspülen. Der Typ, der sich einen Mülleimer, neben die Klotüre. auf den Gang gestellt hat, seinen Kopf seit zehn Minuten darin reinhält und sich das Leben auf traurige Weise herauskotzt, vergilbt uns die Idee dann ein wenig und wir saufen unsere Wodka-Bull-Mischerei weiter und fühlen uns wie knackige und gesellschaftslästige 15. Andere Fickeinlagen im Schwarzlichtraum der Party bekommen wir in der Küche nicht mit, finden aber „Küchen-Party“ sowieso mehr Synthesizer. Im Wohnzimmer züngeln und fummeln zwei der Fuckers an sich rum, lecken sich gegenseitig den Koks-Ausdruck aus dem Gesicht und schlafen alle fünf Minuten kurz ein, bis es dann wieder weitergeht – mit dem Ausdrucks-Lecken. Direkt neben den Beiden schläft jemand und tut das vielleicht immer noch. Drum herum tanzt es etwas und die Polizei war auch schon zwei Mal da. Was das mit dem Konzert zu tun hat? Patience, you smug cunt.

 

Der Saal ist dreiviertel voll, es geht also mehr, aber ich bin ganz froh, dass nicht mehr geht und nicht mehr gehen will. Das Licht geht, vor dem nahenden Intro, auch schon in die Knie. Wummern, Wimmern, Wabern. Alliterationen find ich, auch nach Schmäh-Frotzeleien u.a. von Herrn Goldt, immer noch ne ganz geile Gelegenheit gelungene Genialität, genauestens garniert, glitzernd greifbar gu gachen. (Sorry, hatte noch das Knie des Lichts im Mund stecken.)

Auf der Bühne bewegt sich die Dunkelheit. Flash, Zack. John Grant erscheint, Glitzer in der Fresse und überzeugend geile Façon um den Schritt. Würde ihm gerne den Glitzer-Ausdruck aus dem Gesicht lecken, trink dann aber nen Schluck von meinem 0,2l-Wasser mit Kohlensäure; is auch was.

Die Lichter um uns herum erzeugen zusätzlichen Bass. Alles kumuliert zum Vibrieren, das sich in meinen Eiern ausbreitet und die beiden Gefäße reichlich erregt. (“Can you feel the bass inside your balls? Because I do!”, so der Held auf der Bühne).

In Verbindung mit einem Synthesizer klingt die Yeast Infection auch direkt weniger vulgär. Alles andere würde sowieso gegen das Feinheitsgebot der Humoristen, Harlekins und Schloris rempeln.

Im ¾-Takt fragt Mr. Grant die Zuschauer, welche der 67 Joghurt-Geschmacksrichtungen sie denn gerne haben wollen würden. Die Antwort darauf geht zu gut ¼ im Mischgehalt, äh, Mitgesang unter.

Wir stehen, ganz hinten, sitzend, ganz eng, und kommen, ganz schnell, bei all den Klangturbulenzen in fahrige Sexstimmung. Liegt sicher auch an der Luft, dem 0,2l-Wasser mit Kohlensäure und dem Bass im Sack.

 

Und dann: Glacier.

Es ist Ekstase, Romantik, Stimulanz.

Ich will weinen, während ich ihm heroisch zurufen und dabei meditativ Go spielen will. In mir drin brechen sich die Emotionen wie an einem Diamanten und piksen mich überall an, kitzeln das Innere und verursachen nonverbales Glucksen (Was genau stellst du dir gerade vor?!).

Lachendes Weinen mit glucksenden Anklängen, die mit traurigem Samt umhängt wurden, um die darin befindliche Glückseligkeit zu polstern. Die Vergänglichkeit hält für einen Augenblick inne und lauscht andächtig. Jeder bekommt einen Happen und wird bis ins Tiefste genährt; es fühlt sich unendlich an.

 

Im zweistimmigen Wunderklang dröhnt es:  

 

This pain.

It is a glacier moving through you.

And carving out deep valleys

and creating spectacular landscapes.

 

 

Mach mal youtube.

 

 

Während wir danach überlegen, noch vor der Zugabe, zum Rucksacktaschenrückgabestand zu laufen, schmettern auch schon die potenten Töne von Queen of Denmark in die tobende Masse wie Hooligans, nach verlorenem Spiel und neun Stadionbier, auf die gegnerischen Fans. Sie arbeiten sich langsam durch den Raum, verschleppen die aufkommende Müdigkeit und sorgen im Gedankenbordell für neue Anstöße. Die letzte Runde wird eingeläutet und I Wanna go to Marz bringt eine elegante Rundung in das sehr runde Set.

Ich hoffe du kommst über diesen sehr geistreichen letzten Satz hinweg, ohne ein süffisantes Scheißgrinsen auf die Fresse zu bekommen. Falls nicht: Ich bin leider nicht dafür ausgestattet, deine Mutter zu sein. Tipp: Die Feste reiern wie sie gallen.

 

Achja, der Geburtstag hatte tatsächlich nichts mit dem übrigen Text zu tun. Gut aufgepasst.

 

 

 

 

 

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