// Wahrer Humbug.

05.10.2019

 

 

Wieder war mein geduldiges Papier seiner Kernkompetenz beraubt. Zwei Monate werden es bald, in welchen ich dem Schreiben abtrünnig wurde. Es fühlte sich an, als müsste ich einen umklammernden Schlummer entkommen. Bin dem Nachdenken untreuer geworden. Lies lieber für mich denken. Den Büchern verfallen war ich, bin ich. Lass mich von den Worten anderer Autoren schamlos hinforttragen. Ich ziere mich vor der Wiederaufnahme der Feder. Nun, ich zierte mich. Perfekt. So bedurfte es lediglich eines Ts um wieder in das kalte, sommerliche Nass der Dichtung und des Erdenkens hinein zu hopsen. „Erdenken“ als Basis, worauf das „Nachdenken“ ganz von alleine kommt. Oder sich beides sogar bedingt. Ein T mehr um das Gesagte im jetzt in die Vergangenheit stolpern zu lassen.

So will ich dem Erlebten hier endlich Genüge tun und schenke dem Papier einige dieser Momente. Bin glücklich, wenn sie mir für meine lange Absenz vergeben und mich wieder in sich aufnehmen.

 

  • Eine Wanderung durch die Mark Brandenburg schund meinen linken Fuß und zwang mich nach 3 ½ Tagen zur Aufgabe meines Vorhabens. Heiter ist das doch: Die Aufgabe, also etwas, das einen Beginn von etwas darstellt, ist dem Aussehen nach gleichbedeutend mit dem Ende jener gegebenen Aufgabe. Es ist gleichzeitig Alpha und Omega. Herausforderung und Niederlage. Und hierbei auch Sieg und Niederlage in einem. Betörend.

    [Die Lust und Freude am Schreiben schleicht sich munter wieder in mich.]

     

  • Habe ich vielen Gedanken nach gedacht. Oder bin ich ihnen nach gegangen? Eine Handlung, die nur eine Reaktion auf vorangegangenes ist. So wie man einem Menschen nach empfindet oder einem Moment nach trauert. Ein Theater nach spielt oder einem Geheimnis nach geht. Einem gegenüber na(c)h bar wird oder Gesten nach ahmt. Vieles bereitet man nach. Oder vor. Aber: Vor Allem bietet Hoffnung. Nach Allem schenkt Gewissheit. Und so denke ich weiterhin nach. Dann wird es Nacht und wieder verändert ein T alles.

     

  • Da traf ich ein kleines Luftbläschen, das nach oben stieg um kurz wieder Luft zu holen. „Blubb“.

     

  • Und dann waren da die Treffen mit Frauen. Ich merkte zusehends, wie wenig mich die Gespräche interessierten. Nicht bei allen, keineswegs. Jedoch bei vielen. Ich begnügte und vergnügte mich beim Sex. Und das genügte. Alles davor und danach war nur eine ungenügende Sottise, die ich ertrug, um mich dem Vergnügen zu fügen. Demnach mehr ein Ertragen als ein Vertragen. Einen Vertrag gab es stillschweigend, aber irgendwas daran störte mich. Oft war es einfach mehr Last als Lust, diese Sexualität. Immerfort gibt es etwas zu stillen. Bedürfnisse über Bedürfnisse. Ein Zerwürfnis jagt das nächste. Kaum wurde eines befriedigt, tauchte ein neues auf. Rastlos prügelte mich die Befriedigungswut. Sexueller wie intellektueller Natur. Will die körperlichen Orgasmen sowie das Wissen der Welt in mich einsaugen. Im portugiesischen ist es saudade, Sehnsucht. Sie ist die gierige Präsenz der Absenz. Houellebecq schreibt übers Rauchen ähnliches. Es sei eine Sucht, die von der Abwesenheit des Konsums befeuert werde. Poetisch und doch beschreibt es irgendwie nur jede Sucht.

    So fühlt es sich an, also wöllte ich das orgastisch hinausgeschossenen mit Wissen wieder in mich aufnehmen. Reziprozität um meiner inneren Balance Genüge zu tun. Solch ungesundes Verhalten näht mich unbewusst genau[so²]wie es mich verzehrt.

    [Warum sollte die Frau am Nachbartisch um 11h00 kein alkoholfreies Bier trinken. Es ist Montag. Und Berlin]

    Des Weiteren sehe ich mich rezent von 21/22-Jährigen Frauen angezogen. Das mag am fortschreitenden Alter meinerseits liegen (gegenwärtig 32) oder, wie parallel zu älteren Frauen (41+), mit unvollendeten Fantasien und diffusen Problemen aus meiner Kindheit und Jugend erklärt werden könnte. Jeder älter werdende Mann (respektive auch Frau), mit Faible zur einen oder anderen Seite, unterliegt dieser Erklärung. Deshalb funktionieren Pornos mit älteren Frauen, jungen „Teens“ und Fifty Shades of Grey. Es gibt selten etwas dazwischen. Die Auswahl liegt im Rahmen 18-22 und dann wieder ab 38 aufwärts. Der Bereich dazwischen wird im Lustbereich weiträumig ausgespart, umschifft und 29-Jährige Frauen entweder 22 oder 38 gemacht. Zumindest im Porno-Bereich. Sicher aber nur Zufall.Auch die Mid-Life-Crisis (der ich aktuell lieber noch fern bleibe) spricht dafür. Unzufrieden mit sich, zu wenig Liebe erfahren, zu viel Liebe erfahren, Bestätigung fehlte. Und eben diese ganze Präpubertär-Pubertär-Verhaftete Scheiße. Keiner liebt mich, nicht mal ich selbst. Weil, wie soll ich es denn auch selbst lernen, wenn ich es nicht vorgelebt bekomme? Ergo bestätigt man sich mit Autos oder jungen Frauen (am besten mit eigenen Vaterkomplexen).
    Ein Hexenfest, das Ganze. Die erlogene Farce eines post-kapitalistischen Gefüges.
    „Meine Eltern gaben immer geschickt vor, mich nicht zu lieben. Ich liebte sie aber auch.“

     

  • Alles Eins. Bald ist es schon wieder eine Andere, die sich auf den Sex einlässt. Es ist doch eigentlich egal, wer nun der Sexpartner ist. Heute gelüstet es nach kleinen Brüsten, 155 cm und 22 Jahre alt. Morgen dann schon große Brüste und ja nicht jünger als 41. Übliches Geplänkel davor. Dann Sex. Dann schon wieder eine andere Vorliebe, die auf mich wartet und ich, weniger bewusst als mir lieb wäre, für mich aussuche. Ermüdend, es ist mir wahrlich bewusst. Reizvoll bleibt es dennoch. Besonders nach zwei Tagen ohne, schaltet sich alles Rationale ab und der Trieb übernimmt wieder. Zumindest bis zum Orgasmus. Und dann die Ermüdung. Erneut.

     

  • Marie Ange war so eine. Diese Marie Ange. Kochte so oft für mich. Besonders die Milch war ihr wichtig. „Zum Café, wenn du brauchst, dann Ziegenmilch!“, sagte Marie Ange immer. Jeden Tag kochten wir frisch. Ich für Marie Ange, was sie nicht kannte. Und Marie Ange für mich. Besonders schmackhafte süd-französische Cuisine. Dressing gab es immer separat. Und wie sie aussah. Über 60 war die gute Marie Ange und sah köstlich aus. Jung wie 40, sprach wie 30 und hatte Lover aus beinahe allen Altersschichten. Der eine war Schotte und der andere Koch.

     

  • Zum Ende hin zerstäuben wir doch sowieso unentwegt unsere Erinnerungen, atmen sie ein und gleichsam wieder aus. Alles vermischt sich mit dem Gemächt der Vergangenheit. Keine neuen Erfahrungen ohne vorherige Beeinflussung. Abgleich mit der Realität. Die Piñata wurde oft genug malträtiert um zu wissen, dass sie aufbrechen wird; zu neuen Ufern. Gegenstände werden aus der berstenden Box zu Boden schneien. Eine Überraschung wäre doch, wenn die Piñata ihrerseits einen Holzstock in die unbedarfte Hand nimmt und dem Piñatisten die Schädeldecke zertrümmert und sich am Innenleben labt. Aber das passiert nicht, weil wir im Laufe der Zeit gelernt haben, dass Fantastereien Kinderkram sind und wir nicht spinnen sollen. Und genau deshalb ersuche ich die Spinnerei und gebe ihr die (Spinn)fäden in die Hand.

     

  • Ein blökendes Schaf trinkt seinen Café doch meist im Steckrübenfeld. Da pariert er dem drohenden Schachzug des Königs und kann zur gleichen Zeit seine ganz persönliche Ehrfurcht erkunden; was wahrlich ein weites Steckrübenfeld ist. Der Rübe letzter Wunsch war es unterdem, einem tektonischen Versprecher zum Opfer zu fallen. Mal sehen.

     

  • Ciaoiii.

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