// Geht er da einst doch tatsächlich alleine in die Oper.


Frech, ganz ganz frech.

Es ist Abend, Tag scheint egal, und der Herr vergnügt sich seelenruhig alleine und unter der Glocke der Kultur verbergend. Er defiliert sein Alltagsgewand nach Außen, zur Schande seines Inneren. Er schmust da mit einem Tanz, giert nach dieser Triller und friemelt in der Pause an einem belustigendem Posament herum. Lustig in seiner Listigkeit.

Es genügt der bequeme Polstersitz, das Rot trägt besondere Lust in sich an diesem Abend, sein Stift, ein altes Stück Papier /Ticket einer verronnenen Berlinale-Karte) und seine schmucke Gier nach Unterhaltung. Da wird besser noch jetzt als morgen der 1. Akt beendet. Morgen ist ja auch gar keine Vorstellung, geht also auch gar nicht.

21h10. Berlin. Komische Oper. Das Stück: West Side Story, in einer Inszenierung von Barry Kosky. Die Choreographie ins Moderne transponiert. Aktuelle Straßenbanden sollen sich hier wiederfinden. (Gang-Mitglieder of Berlin haben dienstags Gang-Rabatt, 5€ für jeden Platz) Bisheriger Eindruck: Frauen und Männer auf der Bühne sind mega hot. Mehr die Frauen. Also, überwiegend. Männer waren okay. Rutschte unruhig auf meinem Platz (Loge 4, rechts, Platz 13) umher.

Pause um. Weiter umherrutschen. Danach schließe ich direkt hier wieder an.

22h15. Nachtrag: Vorhin hatte ich mich fix auf den breiten, einladenden Treppenaufgang durch den Menschenstrom geschoben, vorbei an lächelndem Personal, und zurück auf Platz 13.

Die Ornamente und der Stuck rezitierten die letzten Takte und feixten vor Vergnügen. Der Licht-Dimm-Beauftragte bekam seinen Einsatz, das Orchester strich seinen letzten, langgezogenen Ton und leitete damit Teil 2 ein.

Querflöte, Tambourine und Streicher machten den Auftakt und schon wagte sich “I feel pretty” über den Tanzboden. Danach folgten Tanz, Gesang, Licht und Dramatik. Alles etwas ruhiger als zuvor, dennoch irgendwie reizend.

Applaus und da war es auch schon wieder vorbei. So flott?!

Respektvolle Ovationen strömen hoch und höher. Besonders dem Dirigenten geltend. Sogar das ganze Ensemble warf ihm tosenden Beifall zu. (Anmerkung: Der Hauptdirigent für den Abend wurde des Morgens krank, wofür flink ein neuer gefunden werden musste. Jener fand sich und führte sein Instrumentarium meisterhaft durch den Abend.)

Alle freuten und verneigten sich. Blut klebte noch an Shirts und Mützen saßen schief.

Ich gehe, tanze, beflügelt von der Musik, in die kühle Nacht.

S-Bahn verpasst und 8 Minuten warten.

Garstig!

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