// A drink would be perfection.

30.01.2019

 

Sei es direkt vorweggenommen, für all die ungeneigten Popkulturisten, die Überschrift ist eine Hommage an die Aussage Chandlers in der Serie FRIENDS von 1995, als ihm Jill Goodacre, im Bankgebäude, in welchem sie eingeschlossen sind, Kaugummi anbietet und er ihr mit den generationsverändernden Worten „Gum would be perfection.“ antwortet. Frenetisches Lachen. Eine neue Epoche wurde soeben eingeläutet, also beugt euch ihrer. Das Gleiche gab es auch schon mit Phrasen wie „These pretzles are making me thursty“ (1991), „To be sponge-worthy“ (1995) oder „Serenity Now!“ (1997). Alles passiert im Seinfeld-Kosmos.


Exkurs: Prickelnd und mighty cool waren auch Freuden wie:


„Get it? Got it? Good!“ aus Californication
“One Appletini – but easy on the Tini” aus Scrubs
“It’s going to be Legend – wait for it – dary” aus How I met your mother
“Her lips said ‘No’, but her eyes said ‘read my lips’.” aus Fraser
“Cool, cool, cool, cool, cool” aus Community
“Prettaay, prettaaay, prettaaaay good” aus Curb your enthusiasm
“Oh my God, they killed Kenny” aus South Park
“We were on a break!” aus FRIENDS
“Ain't no party like a Liz Lemon Party because a Liz Lemon party is mandatory.” aus 30 Rock und
“I don’t always drink beer, but when I do, I prefer Dos Equis. Stay thirsty my friends.” aus The most interesting man in the world (Ist keine Serie, aber ich denke immer noch, dass die Macher hier ihre Chance verpasst haben!)  


Warum hab ich euch das aufgeschrieben? Weil ich euch mit handfesten, lebensanreichernden Wissenstiraden den Alltag in ein Bachblütenfeld legen möchte, damit ihr einbalsamiert mit durchlauchtem Wissen vernünftig leben könnt.

Exkurs Ende und jetzt zum Text.

 

Die neue Epoche bricht an und entwirft eine virtuose, labbelige Expression: „I need a drink“, schreit mich die digitale Botschaft aus dem Handy an. Sie transportiert einen gequälten Unterton. „I need a drink, or otherwise I will get cranky!“. そうですか (sou desu ka?)* 
Was genau muss ein Tag für einen bereitgehalten haben, dass ein Drink unabdingbar für das Seelenwohl wird? Beherzt klatsche ich, mit Optimismus angereichert, Beifall, in beneidenswerten ASCI-Code eingebettet. Will ihr ja den Drink nicht abschwatzen, aber auch nicht die Uneigenwillige Bitch sein, die plump und unreflektiert antwortet: „Ja, kann ich voll verstehen!“.
Kann ich denn ohne einen Drink einen schlechten Tag nicht verarbeiten? „I need a drink“. So ein Satz schreit nach Aufgabe und der unvollendeten Suche nach Alternativen, wie Jobwechsel, Yoga, Sex.
Ich will jetzt nicht die Esoterik-Hure raushängen lassen, aber was genau ändert denn ein alkoholisches Getränk wirklich? Ja, es lässt den Tag eventuell vergessen oder man verdrängt maximal das unliebsam Erlebte – auf später. Fatal.
Es klingt widerwertig simpel, aber das Problem des Jobs geht dadurch ja nicht auf Dauer hinfort. Dann doch lieber lecken und lecken lassen. Dadurch geht das Problem auch nicht unbedingt weg (Es sei denn es ist die Person, die für die Beförderungen im Büro zuständig ist), aber man vergiftet seinen Körper zumindest nicht allabendlich mit Alkohol.
Wieder Frenetik und aufkommende Buhh-Rufe. Im Grunde heißt die Reaktion aber nur, dass ich Recht habe. Vielleicht erstrahlen dann im nächsten Moment hoffnungsvollere Aussage und pro-feministische, anti-alkoholische Gegenbewegungen erheben sich, mit Sätzen wie „I need a dick, otherwise I get cranky“ oder „I need a Bachblüten-Tee, Ruhe und mal Zeit über mein Leben nachzudenken, bevor ich mir einfach unreflektiert die Birne mit einem grünen Gin Chilla durchbrennen lasse“.

 

Buuuhhh, verpiss dich, du Wichser höre ich da nun jemanden denken. Ich hab also wieder Recht.

さよなら (sayonara)**

 

___

*jap. „Ist das so?“

** jap. „Auf Wiedersehen“

 

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