// So warm doch der Wellenklang.

13.10.2018

 

Mit dem nötigen Betacarotin, welches sich prickelnd in der Haut ausbreitete, ausgestattet, sprang ich elegant ins Meer und wurde auch prompt von einer drei Meter hohen Welle zurück in den Sand geprügelt. Mit, jetzt also auch, genügend Natrium im Körper, folgte ich meinem energischen Tatendrang und lief zurück zu meinem Handtuch, um mich in die Wonne der Sonne fallen zu lassen. Das Paar Möwen, bereits keuchend vom querulanten Herumschreien, versuchte sich an die Präludien der Stille raubenden Zikaden anzuheften und dadurch das Wellengetöse in die Ecke zu zwingen. Meist sehr erfolgreich, wie mir die Trommelfellhärchen immer wieder mitzuteilen versuchten. Ich streckte alles von mir, was sich dem Vorgang des Streckens nicht entziehen konnte und gab dabei ein lustvolles Stöhnen von mir, dass das Äquivalent von Badehose ausziehen und sich an jemandem Reiben hätte gewesen sein können. Der grobe Sand wetzte zart die Hornhaut an Händen und Füßen ab und die weit zu heißen Körnchen ließen mich schmerzverzerrt Hüpfen und Glucksen.
Eine Brandung folgte der nächsten und das gravitätische Nass spülte Schaum und Seegras ans Ufer. Kinder ließen sich von anderen Kindern in die Wellen werfen, tauchten freudig unter und panisch wieder auf. Ich ließ den warmen Wind auf der Haut umherspielen, da etwas anderes auch gar nicht möglich gewesen wäre; es ist immerhin Wind.
Mit sich gehörverschaffender Wucht pritschte das Wasser an die umliegenden Felsen, verschob sie beinahe und löste sich dann in feinen Wasserstaub auf, der die Nixen und Nixer auf dem Gestein damit besprühte (#derkleinenixer). Sie zuckten kurz zusammen, überrascht vom kühlen Kalt, entspannten sich aber schnell wieder und gaben sich der Gischt vollkommen hin. Leicht neidisch lief ich nun auch zum Wasser hin, erst auf den Felsen um mich berieseln, dann in den Sand, um mich beim Meditieren mütterlich vom Mittelmeer umspülen zu lassen. Augen zu. Gedanken bei mir. Die raue See stahl jedem anderen Geräusch die Bühne und buhlte so als Protagonist um meine ungeteilte Aufmerksamkeit. Ich nahm das Angebot an und ließ mich in die warmen Arme des vertrauten Gefühls, salzigen Geruchs und liebevollen Plantschgeräuschs fallen. Endlich Ruhe vom Gelärme der Kinder und Zikaden, endlich Ruhe vom Zinnober der Möwen.
Ich versinke im Sand und in Gedanken. Jede Welle gräbt mich tiefer ein und lässt mich der Harmonie meiner innenwohnen. Geruhsam sammle ich mich, atme ein und aus.

Werde eins mit den Wellen und zum Protagonisten meiner Aufmerksamkeit.

 

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