// Das zärtliche Brausen der Stille.


Im düsteren Dunst ziehen die frisch geschlüpften drei Stunden und dreißig Minuten des neuen Tages in mein Zimmer hinein. Deren Gegenwärtigkeit nie so bewusst erlebt. Der Stille Klang streicht über die nächtliche Klaviatur; behutsam spielt sie im Gleichklang mit den schimmernden Schatten und letzten Lichtfragmenten der bebenden Stille. Ich höre mich selbst, oder meine zumindest mich zu hören. Mich ungestört hören zu wollen. Endlich schweigt alles um mich herum, kein Mucks, kein Piep, kein umtriebiges Müssen. Ich sinke in das Taumeln der Gedankenfacetten und klinge noch vom Tag nach. Im Hall der Erinnerungen bilden sich neue Konstrukte und verschlingen sich mit dem Geschaffenen. Ich bin. Was jetzt noch raschelt, sind die verdrängten Emotionen. Sie wühlen sich an die Oberfläche, um den Augenblick der Stille zu nutzen und sich mir zu präsentieren. Regenerative Ruhe umschließt mich wie ein Vakuum und ich spüre, wie sich das Beben in mir erhebt und aus Erinnerung Gegenwart wird. Das Einatmen wird zum Stimmen des Orchesters, das Innehalten zur Partitur. Im Epilog greift das Ausatmen nochmals alle wichtigen Rezitative des Stücks auf und verbindet sie sinnvoll miteinander. Ich lausche nochmals in die Stille und bereite damit das Orchester für ein weiteres Stück vor.

Bild: manka_kasha

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