// Fragmente (2008-2018) – Teil Vier.

12.09.2018

 

Zwölf

 

Die Erektion machte sich in mir breit, wie eine schnell wirkende Koffein-Injektion. Nur blöd, dass ich gerade im Auto saß und auf einer leeren Straße fuhr. Einen reizvollen Gedanken im Kopf und einen harten Penis in der Hose. Am vordersten Ende der Straße lauerte leise eine Ausfahrt, endlich. Ein leuchtendes Schild verhieß Benzin, Fast Food und WC. Burger und Kacken? Die Koffein-Injektion ließ jäh nach und ich fokussierte mich wieder mehr auf die vor sich hinfließende Straße. Blinker rechts, Lenkrad sachte einschlagen, Schulterblick. Die Fahrschule war schon ein wenig her, dennoch waren die dort gelernten Facetten immer noch im Neo Cortex eingespeichert. Ich fuhr rechts ran und sah durch die ungeputzten Scheiben das demotivierte Mistvölkchen von Tankstellenwarten, die sich nachts um 3.00 Uhr komplett aus ihrer Arbeit heraushielten. Ich ging hinein und wollte zahlen. Magazin lesend blickte er kurz auf, blieb aber erst mal sitzen. Dann seufzte er, legte die Bravo sorgsam auf den hellblauen Langnese-Mülleimer, die jedoch abrutschte und zu Boden fiel. Genervt gab er mir einen beschuldigenden Blick, beugte sich hinab und legte sie vor mich auf die Theke. „Ja?“, fragte er mich fordern. Den innerlichen Zahnstocher schon in sein Auge pikend, warf ich ihm die 20€ auf seine Bravo, drehte mich um und flötete kurz vor der Automatik-Türe noch ein „Bravo lesen doch nur Muschis“ gänzlich unhörbar zu ihm rüber. Wieder im Auto legte ich den Gurt an, setzte den Blinker und schaute über die Schulter. Der Tankwart steckte schon wieder in seiner Bravo. Ich fuhr los. Die Erektion war zurück.

 

 

Dreizehn

 

Welchem Gedankenspiel verfällst du des Öfteren? Wie sieht deine Zukunft aus, welche Richtung schlägst du im wirren Alltag ein und was wäre passiert, wenn du dich für etwas anderes entschieden hättest. Besser, schlechter, anders? Gehen deine Gedanken eher in eine Art Introspektion oder lässt du deine Fantasie über eine geistige Utopie, einen alternativen, terrestrischen Zustand gleiten. Irgendein gewisser Musiktitel bringt dich in Wallung, verändert deine Emotionen und du tauchst ein ins Imaginarium deines Selbst. Existieren hier manigfaltige Versionen von dir oder ist es eher ein eindimensionales Erlebnis. Kreierst du Welten, Szenarien und ferne Galaxien. Eine Erde mit einer gespaltenen Sonne und nur zwei Zeitzonen. Eine Früh-Tageszeit und eine Spät-Tageszeit. Denn es gibt keine Nächte mehr. Zu jeder Zeit leuchtet ein heller Halbkreis auf dich herab, fordert dich, überwacht dich. Sonnengeister sind dein täglich Geleit. Fantastereien frönen sich deiner Gedanken, spielen dir Realitäten vor, die vielleicht gar nicht sind. Und falls doch, würdest du es niemals herausfinden, da die Grenzen zwischen Wahn und Wirklichkeit zu verschwommen sind. Ein weichgezeichnetes Band, dem du nicht so einfach seinen verlorenen Kontrast wieder gibst. Bist du gerade überhaupt Du und entscheidest selbst diesen Text zu lesen oder ist die, für dich nicht erkennbare, Realität mit den gespaltenen Sonnen bereits eingetreten und du bist einer deiner Fantastereien anheimgefallen. Sie erschafft Worte, reiht sie aneinander, spiegelt dir einen Raum vor, in dem du sitzt, eine Wiese auf der du liegst und suggeriert, dieser Text sei Wirklichkeit.
Das ist nicht so oder? Finde es doch einfach heraus: Beweise dir das Gegenteil!

 

 

Vierzehn

 

Es war zur zakynischen Zeit – die Uhr zeigte zum neunten Mal heute 2/3 eines Viertels an – als die Quellen der Einsamkeit versiegt waren und über des eigene Herz noch selbst verfügt werden konnte. Eine Zeit, in der ein Lächeln mehr sagte als es ein Roman oder Novelle je zu beschreiben vermochte. Die Nächte wurden zu Geburtsstätten des Wunderbaren und ein Ort der endlos scheinenden Pracht. Eine Pracht, die nicht allzu weit von der Realität entfernt war. In einem Land, wo Gedanken die Mentalität eines Seins regierten und einem nicht klar war, ob man einem wunderbaren Traum verfallen war oder die Schönheit, dieser so greifbaren Realität, einen einzuholen versuchte. Ein Land, in der ein Traum mit seiner eigenen Zukunft verschmolz, es Perlen aus mentalen Luftblasen regnet und die Bewohner in einem See schwimmen konnten, der gefüllt war mit allerlei Hoffnungen und Wunschträumen. Bald schon wirst auch du da sein. Tauche ein und versinke in deiner eigenen Traumwolke.

Schlaf schön und möge der Traumhirte deinen Weg leiten, du aus Seide gewobenes Manifest voll Schönheit.

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