// Der (alte) Mann und das Wolkenmeer.

12.09.2018

 

Glas Wein. Zigarette. Vor mir die aufgehängte Wäsche.
Die Hitze kühlt mit dem aufkommenden Gewitter langsam ab und bläst mir kühl ins Gesicht. Es kühlt ganz angenehm, also lasse ich das gerne zu. Einen Zug vom glühenden Tabak. Noch einen. Noch einen.
Dunkle Wolken ziehen auf, verfinstern das Blau. Ich starre nach vorn. Schaue geradeaus und trinke das Glas aus. Einige Blätter wehen hoch zu mir und legen sich kurz vor mir ab. Ein junger Kerl auf dem Balkon gegenüber. Schaut die ganze Zeit zur mir rüber. Halunke. Wenn der noch lange so starrt setzt‘s was.
Noch einen Zug. Die Straße unten wird ruhiger und der Wind übernimmt. Is schon ne Idylle hier oben. Keine Störung, Freiheit von Stress und vom Alltag. Ausklinken, weg vom Gesellschaftlichen, hin zum Individuum.
Ich glaube, ich muss noch die drei Kappen rein legen, des aufkommenden Winds wegen. Ah, weiter hinten ein heller Blitz. Donner lässt auf sich warten. Bemüht sich gar nicht erst und versteckt sein Dröhnen. Auch gut. Will mich ja nich beschweren. Noch ein Blitz.. wieder kein Knall.
Es wirkt sehr reizvoll, mich in der abendlichen Melancholie zu verlieren. In Vergangenem zu stöbern. Erinnerungen an die Jugendtage aufflackern zu lassen. Geschundene Seele. Aufkeimende Hoffnung. Neubeginn.
Ein leichtes Krachen durchwummert jetzt kurz den grauen Himmel. Der Wind als achtsamer Wächter und dessen Geleit. Mal kurz runterschauen. Kinder – spielen und schreien. Neubeginn. Eltern.. machen im Endeffekt das Gleiche, nur bedachter und mit weniger Freude in den Augen. Geschundene Seelen.
Dieses Mal schickt das Dröhnen das wilde Brausen voraus und schlägt kurz danach ein. Es kommt näher. Ich suche den Himmel nach den ersten Tropfen ab. Ziehe dabei weiter an der Zigarette und lasse den Dampf sachte durch die Lippen taumeln.
Berlin wird nach langem mal wieder in einen Wolkensack gesteckt. Blitze kommen näher. Donner folgt schneller und Vögel ziehen tieffliegend vorbei. Kreisen dahin und lassen sich treiben. Diese Freiheit.
Es tröpfelt jetzt, alles wird bereinigt. Aufkeimende Hoffnung. Bald durchflutet Frische die nassen Straßen und alles ist gut. Ich schaue nochmal hoch, atme durch und nehme den letzten Zug.


Alles ist gut.

 

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