// Niederschriften für eine Dame 2/3 – Nächtliche Poesie und sanft-lächelnde Gedanken.


Von weitem sah ich schon meinen Opa aufgeregt die Hände hin und her bewegen. Seine Wangen strahlten und nahmen mich, herzlicher als die Mutter ihr Erstgeborenes, in Empfang. In der Ferne vernahm ich ein dumpfes Anfahren der Bahn und um mich herum gruppierten sich nun fröhliche Gedanken, die gemeinsam mit der zärtlich über uns stehenden Nachmittagssonne kindlich kicherten. Die ersten Portionen Mittagessen wurde von Oma aufgefahren - es war nun 15.37 Uhr. Ungarische Gewohnheiten und der Satz 'Du hattest sicher den ganzen Tag nichts zu essen - und jetzt setzt dich hin!' vermochten es mir den vollen Teller köstlich zu reden. Viel wohlgenährte Plauderei, gestalterisches Verbalarmdrücken und der ein oder andere Happs, des nun auf der Mitte des Tisches platzierten Apfelkuchens, verwandelten die nächsten drei Stunden in ein virtuoses Emotionsfeuerwerk. 'Der Stunde Nr. 4 wart gekommen' und sogleich klingelte auch schon mein Vater an der Türe, um mich mit Glückwünschen zum Master, einem wohlig-süßen Mont-Blanc-Legends-Duft und einer einladenden Façon zu begrüßen. Küsschen links, Küsschen rechts. Bis bald. Danke für die Geschenke. Hab euch lieb. Bei meinem Vater gab es Pizza - homemade mit einem Thermomix. Du bist offensichtlich kein wertiger Homo Cucinus (lat. der kochende Mensch [fehlerhafte Beweisführung]) mehr, wenn du solch eine 1.000€-Apparatur nicht besitzt. Blitzende Kochlöffel und brennende Grillfackeln (veganes Schwein, natürlich) kündigen die wütende Haute Bourgeoisie an, die sich ihren Weg durch eine von Ungerechtigkeiten und Unebenheiten geprägte Gesellschaft 'wurschteln'. Aber genug davon. Der Abend war ein interessanter dieser Art. Auf dem Kamin zuckte vereinzelt ein kleines Teelicht, als wolle es gerne am Gespräch teilhaben. Die vierte Tasse Tee ruhte auf meinem Schoß und morste anhand der konzentrischen Ringe wundervoll stilvolle Phrasen an meine Lippen. Die Thematiken jenes Abends sollen für persönliche Treffen ausgemalt und dort präsentiert werden. Ich schließe für heute, meine schöne Dame. Die Tinte kaum alle und der Gedanken noch kaum gebührend Genüge getan, jedoch erwische ich mich gelegentlich dabei, das des Auges Lid sich ausruhen muss und mit Wehmut komme ich zu einem demi-fin. Es soll dich ein Kuss in die Träume geleiten und möge dich dieser sanft umsiegeln - bis hin zum schillernden Morgen, der das Siegel löst und dich mit einem weiteren meiner Küsse wecken soll.

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